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Schlafwandeln bei Kindern

« Darum tritt Somnambulismus besonders in jungen Jahren auf »

Wenn es Nacht wird, schlummern die meisten Menschen friedlich in ihren Betten. Einige von ihnen, vor allem Kinder, bleiben jedoch nicht liegen, sondern verlassen das gemütliche Bett und laufen in der Wohnung oder sogar im Garten herum. Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten zusammengefasst und zeigen auf, warum Schlafwandeln bei Kindern häufiger auftritt als bei Erwachsenen.

Schlafwandeln bei Kindern ist kein Grund zur Sorge

Die meisten Menschen sind darüber sehr beunruhigt, wenn sie sich vorstellen, dass sie im Schlaf Dinge tun könnten, von denen sie am Morgen nichts mehr wissen und über die sie keine Kontrolle zu haben scheinen. Aber auch Eltern, deren Kinder schlafwandeln, wissen sich manchmal nicht zu helfen. Zum Glück verschwindet die Neigung zu dieser Schlafstörung mit der Zeit meist.

Schlafwandeln bei Kindern ist keine Seltenheit!
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Was bedeutet Schlafwandeln?

Wissenschaftlich gesehen ist diese Verhaltensweise eine Form der Parasomnie, die nur in Tiefschlafphasen auftritt. Bei dieser Art der Schlafstörung handelt es sich um eine Aufwachstörung, da die Betroffenen teilweise erwachen, und wird als Somnambulismus bezeichnet. Da die Störung aus der Tiefschlafphase heraus auftritt, hat das Verhalten nichts mit Träumen zu tun.

Kinder im Alter von 5 bis 12 sind häufiger als Erwachsene von dieser Schlafstörung betroffen.

Diese Neigung verschwindet jedoch mit der Zeit. Nur 1 bis 2 % der Erwachsenen wandeln im Schlaf.

Ursachen für Somnambulismus

Früher wurde davon ausgegangen, dass der Vollmond als Auslöser für diese Schlafstörung verantwortlich ist. Damals wurden diese Schlafprobleme auch als Mondsucht bezeichnet. Heute weiß die Wissenschaft, dass der Mond nichts damit zu tun hat. Stattdessen können laute Geräusche oder eine volle Blase Auslöser für das Schlafwandeln sein. Allerdings ist diese Theorie relativ umstritten. Bei 80 % der Betroffenen ist das Wandeln im Schlaf erblich bedingt. In vielen Fällen ist die Schlafstörung auch durch ein nicht ganz ausgereiftes Nervensystem bedingt.

Der Mond hat gegen jeden Glauben nichts mit Schlafwandeln zu tun
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Warum kommt das Schlafwandeln bei Kindern häufig vor?

Unter allen Altersgruppen wandeln 5 bis 12 Jahre alte Kinder im Schlaf am häufigsten. Experten sehen Schlafwandeln bei Kindern aber als normal und nicht als krankhaft an. Denn diese Schlafstörung hängt mit der Entwicklung des kindlichen Gehirns zusammen. Der Neurologe Christian Guilleminault von der Stanford-Universität entdeckte, dass einige charakteristische Areale im Stirn- und Frontallappen des Gehirns aktiv sind, während es zum Schlafwandeln bei Kindern kommt.

Der Bereich des Stirnlappens ist für das Verstehen und Verarbeiten von Sprache zuständig, vor allem für die Muttersprache, während der Frontallappen dazu beiträgt, Erinnerungen abzuspeichern und wieder abzurufen.

Babys haben dieses Langzeitgedächtnis noch nicht. Es entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Im Tiefschlaf werden bei Heranwachsenden neue Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen gebildet und damit das Langzeitgedächtnis gefestigt. Schlafwandeln bei Kindern wird daher nicht als Krankheit angesehen.

Formen von Somnambulismus

Bei leichten Formen des Schlafwandelns setzen sich die Betroffenen nur verwirrt auf. Manchmal sprechen sie auch, allerdings unverständliche Worte. Meist schauen sie auch desorientiert durch das Zimmer oder beginnen damit, ihr Kissen umherzuschieben. Manchmal zupfen sie auch an der Bettdecke, während sie sprechen.

Sprechen im Schlaf ist eine Form von Somnambulismus
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Bei schwereren Formen der Schlafstörung verlassen die Schlafwandler das Bett. Das kann jedoch gefährlich werden. Einmal für denjenigen, der schlafwandelt, da er sich unsicher bewegt und sich dabei verletzen kann und einmal für Personen in seiner Nähe, die ihm helfen möchten. Dabei kann es jedes Mal zu komplexen Handlungsmustern kommen, die auch im Alltag vollzogen werden, wie zum Beispiel das Aufsuchen der Toilette oder das Benutzen einer Treppe. Das stellt für die Betroffenen jedoch kein Problem dar. Manche sind im Schlaf sogar in der Lage, Schränke oder Schubladen zu öffnen und Türen aufzuschließen. Die nächtlichen Ausflüge halten jedoch nicht lang an, meist nur Sekunden bis wenige Minuten. Selten halten die Aufwachepisoden länger als eine halbe Stunde an.

Schlafwandler sollten nicht geweckt werden – Ist das nur ein Mythos oder wirklich wahr?

Da für den Schlafwandler selbst immer eine echte Gefahr besteht, ist die Entscheidung, ob er geweckt werden sollte oder nicht, überhaupt nicht einfach. Ein Schlafwandler nimmt seine Umgebung nicht wahr. Er neigt eher dazu, gegen Gegenstände zu laufen oder zu stolpern, die am Tage noch nicht dort standen, wo sie in der Zeit seines Schlafwandelns stehen. Da Schlafwandler oft sehr erschrecken, wenn sie nicht wie gewohnt in ihrem Bett aufwachen, birgt auch das Aufwecken große Gefahren, denn sie könnten vor Schreck stürzen oder sich anderweitig verletzen.

Vorsicht ist geboten - Verletzungsgefahr!
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Was tun, wenn das eigene Kind schlafwandelt?

Versuchen Sie am besten Ihr schlafwandelndes Kind sanft wieder ins Bett zu lenken. Wenn es sich sträubt, probieren Sie es mit einem leckeren Essen ins Bett zu locken. Denn typisch für Schlafwandler ist, dass sie großen Appetit auf Essbares haben. Sobald Ihr Kind wieder wie gewohnt in seinem Bett liegt, können Sie es dort ruhig weiter schlafen lassen, wenn es nicht gerade wieder aufstehen möchte. Sie können es aber auch sanft wecken. Ansonsten können Eltern von schlafwandelnden Kindern nichts weiter dagegen tun. Spätestens im Pubertätsalter verschwinden diese Schlafprobleme wieder.

Was Sie gegen Somnambulismus allgemein tun können

Da ständige Anspannung der Hauptauslöser für diese Parasomnie ist, sollte Stress stark reduziert werden. Betroffene sollten täglich zur gleichen Zeit ins Bett gehen und morgens zur gleichen Zeit aufstehen. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann Schlafprobleme verhindern. Außerdem sollte das Fenster im Schlafzimmer gesichert werden, damit die Betroffenen nicht hinaussteigen können. Bewegungsmelder sowie eine Glocke an der Schlafzimmertür sind ebenso gute Lösungen.